Tauchorte · Baden-Württemberg / Bayern

Bodensee mit der Unterwasserdrohne: Steilwände, Wracks, Pfahlbauten

Deutschlands größter und tiefster See grenzt an drei Länder und hat unter Wasser fast alles: Steilwände, historische Wracks und über 100 Pfahlbaufundstellen. Dafür gelten hier Schifffahrtsregeln, die du kennen solltest.

7 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Von der Unterwasserpilot-Redaktion
Uferweg zwischen Wallhausen und Bodman mit Blick über den Überlinger See
Uferweg zwischen Wallhausen und Bodman mit Blick über den Überlinger See · Bild: Ameichle, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Auf einen Blick
  • 536 km² groß, bis 251 m tief – der See grenzt an Deutschland, Österreich und die Schweiz
  • Steilwände im Überlinger See, am Teufelstisch fällt der Fels auf rund 90 m ab
  • Am Teufelstisch gilt seit 1994 ein generelles Tauchverbot
  • Bodensee-Schifffahrts-Ordnung: kein Tauchen in Fahrwassern und nahe Häfen und Schiffsanlegestellen
  • Keine eigenen Regeln für Unterwasserdrohnen – orientier dich an den Tauchregeln

Steckbrief

Fläche536 km² (Obersee 473 km², Untersee 63 km²)
Seehöherund 395 m
Größte Tiefe251 m
Mittlere Tiefe90 m
Sichtweitelaut Tauchern am Wrack „Jura“ meist um 10 m (5–15 m)
Wassertemperaturunterhalb von 10 m Tiefe nur 4–6 °C
Eigentümerkein einzelner Eigentümer: Im Obersee gibt es keine vereinbarte Staatsgrenze, nur im Untersee zwischen Deutschland und der Schweiz
Eignung für ROVsgut – viele Ziele vom Ufer erreichbar, aber viel Schiffsverkehr, kaltes Tiefenwasser und mehrere Sperrzonen

Was du unter Wasser siehst

Am Bodensee gibt es viele etablierte Tauchplätze, vor allem am deutschen Nordufer. Einige Highlights liegen aber auf Schweizer Seite oder sind gesperrt.

  • Steilwände im Überlinger See: Der nordwestliche Arm des Sees ist für seine Wände bekannt. Bei Überlingen-Spetzgart fällt eine Steilwand ab, dort soll auch ein kleines Wrack liegen. Der Platz ist weniger besucht.
  • Teufelstisch: Ein Felsturm etwa 50 m vor dem Ufer bei Überlingen, dessen Plateau je nach Pegel nur 1,5 bis 3 m unter der Oberfläche liegt. Die Wand daneben fällt fast senkrecht auf rund 90 m ab. Hier gilt Tauchverbot – siehe Regeln.
  • Wrack „Jura“: Der Raddampfer sank am 12. Februar 1864 nach einer Kollision mit der „Stadt Zürich“. Er liegt rund einen Kilometer vor Bottighofen (Schweiz, Thurgau) in etwa 38–40 m Tiefe, nur per Boot erreichbar. Der Kanton Thurgau hat ihn als Unterwasser-Industriedenkmal geschützt. Es gilt: nur schauen, nichts anfassen.
  • Lädine bei Ludwigshafen: Das Wrack eines historischen Lastenseglers. Am Einstieg liegt viel Schlick – Propeller wirbeln hier schnell alles auf.
  • Gohren Schneckengarten: Bei Kressbronn liegt ein Wrack direkt am Einstieg, dazu kostenlose Parkplätze.
  • Pfahlbauten: Im Flachwasser des Bodensees sind über 100 Pfahlbaufundstellen bekannt, rund 70 davon am baden-württembergischen Ufer. Ausgewählte Fundplätze sind seit 2011 UNESCO-Welterbe. Bei Unteruhldingen kannst du ein rekonstruiertes Pfahlbaudorf im Pfahlbaumuseum besuchen.
Holzpfähle im klaren, flachen Uferwasser des Bodensees
Holzpfähle im klaren, flachen Uferwasser des Bodensees · Bild: Dg-505, Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Wo du starten kannst

Diese Plätze am deutschen Ufer gelten als gut zugänglich:

  • Meersburg Krebsgarten: Einsteigerplatz mit guten Parkmöglichkeiten und Treppe ins Wasser. Unter Wasser liegt ein Parcours aus versenkten Gartenmöbeln und anderen Objekten.
  • Bodman Springbrunnen: Einfacher Einstieg über eine Treppe, Cafés in der Nähe, bei passenden Bedingungen sehr gute Sicht.
  • Konstanz Hörnle: Am beliebten Strandbad Hörnle mit Parkplätzen. Im Sommer sind im Flachwasser viele Badegäste unterwegs.
  • Gohren Schneckengarten: Kostenlose Parkplätze, Flaschenfüllung und Leihausrüstung vor Ort.

Für Überlingen-Spetzgart empfehlen Taucher das Wassertaxi, weil Parkplätze knapp sind. Die „Jura“ erreichst du nur mit dem Boot.

Regeln und Rücksicht

  • Bodensee-Schifffahrts-Ordnung: Die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung gilt für alle drei Anrainerstaaten. Sie verbietet das Tauchen in markierten Fahrwassern und im Umkreis von 100 m um Hafeneinfahrten und Landestellen der Fahrgastschifffahrt (außerhalb öffentlicher Badeplätze), wenn dadurch die Schifffahrt behindert wird.
  • Teufelstisch: Seit 1994 ist das Tauchen am Teufelstisch verboten, nachdem es dort mehrere tödliche Unfälle gab. Ausnahmen kann das Landratsamt Konstanz erfahrenen Tauchern genehmigen.
  • Taucherflagge: Taucher müssen am Bodensee die internationale Flagge „A“ bzw. eine entsprechende Boje zeigen. Für deine Drohne gibt es keine Pflicht – eine sichtbare Markierung über dem Startpunkt schützt aber dein Kabel vor Booten.
  • Wracks und Pfahlbauten: Die „Jura“ ist als Denkmal geschützt, Wracks können durch Ankern und Tauchen beschädigt werden. Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen appelliert an Taucher: „Nehmt nichts weg, wühlt nicht.“ Halte mit der Drohne Abstand zum Grund und fass nichts an.
  • Was heißt das für ROVs?: Eine eigene Regel für Unterwasserdrohnen gibt es nicht. Halte dich an die Tauchregeln: keine Fahrwasser, Abstand zu Häfen und Anlegestellen, nicht am Teufelstisch – und auf Schweizer oder österreichischer Seite gelten zusätzlich die dortigen Vorschriften.
Wichtig

Für Unterwasserdrohnen gibt es in Deutschland keine eigenen Regeln. Wir fassen zusammen, was nach unserer Recherche relevant sein kann – das ist keine Rechtsberatung. Frag im Zweifel beim Landratsamt Konstanz oder Bodenseekreis, der Gemeinde oder der Wasserschutzpolizei nach. Stand: Oktober 2026.

Tipps für deine Drohne

  • Unterhalb von 10 m ist es auch im Sommer nur 4–6 °C kalt. Rechne mit kürzerer Akkulaufzeit.
  • An den Steilwänden im Überlinger See geht es schnell sehr tief: Prüf Kabellänge und Tiefenlimit deiner Drohne.
  • Starte am besten an einem Einsteigerplatz wie dem Krebsgarten in Meersburg, bevor du dich an die Wände wagst.
  • Fahrgastschiffe und Motorboote sind überall unterwegs. Flieg nicht in Fahrwassern und halte das Kabel kurz.
Praxistipp zum Schluss

Warst du schon mit deiner Drohne am Bodensee? Teil deine Bilder und Erfahrungen im Forum-Sammelthread „Wo darf man tauchen lassen?“ – so wächst unser Gewässer-Wissen für alle.

Ist am Bodensee etwas Wichtiges versunken, das eine Hobbydrohne nicht mehr bergen kann? Professionelle Bergungseinsätze bietet UDRA an, außerhalb Österreichs auf Anfrage.

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