Praxis · Fortgeschritten

Farben unter Wasser: Warum alles blau wird – und was hilft

Rot verschwindet schon nach wenigen Metern, ab 15 Metern ist alles blaugrün. Hier erfährst du, warum das so ist und wie du mit Weißabgleich, Licht und Schnittprogramm gegensteuerst.

8 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Von der Unterwasserpilot-Redaktion
Korallenriff mit Fischschwarm
Mit gutem Licht und Weißabgleich leuchten die Farben · Bild: QYSEA

Die ersten Unterwasservideos sehen oft enttäuschend aus: alles grünlich, flau, ohne die Farben, die man vom Schnorcheln kennt. Das liegt nicht an der Kamera, sondern an der Physik. Wer versteht, was im Wasser passiert, kann mit ein paar Handgriffen deutlich bessere Bilder machen.

Warum Farben verschwinden

Wasser filtert das Sonnenlicht – und zwar nicht gleichmäßig. Langwellige Farben wie Rot werden zuerst geschluckt, Blau dringt am tiefsten ein. Ungefähr gilt:

Farbeweitgehend verschwunden ab etwa
Rot4,5 m
Orange7,5 m
Gelb10–14 m
Grün21–23 m

Wichtig: Es zählt nicht nur die Tiefe, sondern der gesamte Weg des Lichts – also auch der Abstand zwischen Kamera und Motiv. Schon auf eineinhalb Meter Entfernung geht spürbar Rot verloren. In unseren oft trüben Seen kommt dazu, dass Schwebeteilchen das Licht zusätzlich streuen.

Grünstichiger Felsgrund in der Tiefe
Ohne Korrektur wirkt der Grund in der Tiefe grün und flau · Bild: QYSEA

Weißabgleich: der wichtigste Hebel

Der automatische Weißabgleich ist unter Wasser oft überfordert. Besser ist ein manueller Weißabgleich direkt in der Tiefe, in der du filmst, mit der Kamera in Richtung Motiv. Die Gladius Mini S bietet laut Händlerangaben eine eingebaute Farbkorrektur. Beachte: Ab etwa 18 bis 20 Metern schaffen es viele Kameras nicht mehr, ohne Kunstlicht natürliche Farben herzustellen.

Taucherin neben einer Unterwasserdrohne mit Licht
Licht nah am Motiv bringt die Farben zurück · Bild: QYSEA

Licht richtig einsetzen

Die Lampen deiner Drohne bringen die Farben zurück – aber nur auf kurze Distanz. Lampen mit Tageslicht-Farbtemperatur um 5.500 Kelvin, wie bei der FIFISH V-EVO, wirken nur auf etwa zwei Meter. Drei Regeln:

  • Nah ran: Je kürzer der Weg durchs Wasser, desto mehr Farbe kommt an.
  • Schwebeteilchen beachten: Strahlt das Licht direkt nach vorne, leuchten Partikel im Wasser wie Schneegestöber auf (Fachbegriff: Backscatter). Lampen, wenn möglich, schräg nach außen richten oder dimmen.
  • Nicht aufwirbeln: Bleib mit den Antrieben weg vom Grund, sonst ist die Sicht sofort weg.
Meeresschildkröte, gefilmt mit einer FIFISHManta, gefilmt mit der FIFISH V-EVOFIFISH-Drohne zwischen bewachsenen Felsen
Farbstarke Aufnahmen aus dem Meer · Bilder: QYSEA

Farbkorrektur im Schnitt

Was beim Filmen nicht klappt, lässt sich teilweise später retten – etwa mit kostenlosen Programmen wie DaVinci Resolve oder in Premiere und Final Cut. Starke Korrekturen erzeugen aber Bildrauschen und sichtbare Farbstufen. Je besser der Weißabgleich beim Filmen, desto weniger musst du später nachhelfen.

Im Video

So sehen gut belichtete 4K-Aufnahmen unter Wasser aus – im offiziellen Video von QYSEA:

Offizielles Video von QYSEA (YouTube)
Praxistipp zum Schluss

Nimm eine weiße Plastikkarte mit und befestige sie an der Greifklaue oder lege sie auf den Grund. Daran kannst du unter Wasser den Weißabgleich einstellen – und im Schnitt hast du eine perfekte Referenz für die Farbkorrektur.

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