Ratgeber · Selbstbau

ROV selbst bauen statt kaufen: Was geht unter 1.000 €, unter 2.000 € und mit dem BlueROV2?

Eine eigene Unterwasserdrohne zusammenschrauben, die Elektronik selbst verkabeln und am Ende mit dem eigenen Gerät im See abtauchen: Wir zeigen, was in welcher Preisklasse realistisch geht – und warum Selbstbau selten Geld spart.

8 Min. LesezeitStand: 09.10.2026Von der Unterwasserpilot-Redaktion
Balkengrafik der Einstiegspreise: SeaPerch-Lern-Bausatz 199 US-Dollar, BlueSub-1 rund 600 US-Dollar, Teile-Build aus Blue-Robotics-Komponenten ab 1.915 US-Dollar ohne Gehäuse und Akku, BlueROV2-Bausatz ab 4.900 US-Dollar ohne Kabel und Akku
Einstiegspreise laut Quelle, ohne Gewähr, Stand Oktober 2026 · Grafik: Unterwasserpilot

Für viele Unterwasserpiloten klingt ein selbst gebautes ROV nach dem perfekten Projekt. Und oft schwingt die Hoffnung mit, dass man damit Geld spart. Damit du nicht mit falschen Erwartungen startest, gleich vorweg unsere ehrliche Einordnung: Selbst bauen lohnt sich für Bastler und Lernende, nicht zum Sparen.

Transparenz: Wir haben kein ROV selbst gebaut und keines der Geräte in der Hand gehabt. Alles hier beruht auf Herstellerangaben, Shopseiten und Beiträgen aus dem Blue-Robotics-Forum. Preise: ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Die Originalpreise sind in US-Dollar, Euro-Werte sind „umgerechnet ca.“ mit 1 USD ≈ 0,90 €. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer (AT 20 %, DE 19 %) bzw. die Schweizer MWST sind nicht enthalten. Laut Blue Robotics rechnen lokale Händler Zoll und Steuern meist schon in ihre Preise ein.

Kurz erklärt: die wichtigsten Begriffe

  • ROV (Remotely Operated Vehicle): ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug, das über ein Kabel mit der Oberfläche verbunden ist. Im Hobbybereich sagen wir meist Unterwasserdrohne. Mehr dazu in Was ist eine Unterwasserdrohne?
  • Thruster: die Antriebe, also wasserdichte Motoren mit Propeller.
  • ESC: der Motorregler, der jeden Thruster ansteuert.
  • Tether: das Verbindungskabel zwischen Drohne und Oberfläche.
  • ArduSub: freie Steuerungssoftware für ROVs, sozusagen das Gehirn der Drohne.
  • BlueOS und Cockpit: Betriebssystem auf der Drohne bzw. Bodenstations-Software am Laptop, beide von Blue Robotics.

Die Referenz: BlueROV2 – eher Bausatz als Eigenbau

Wer sich mit Selbstbau-ROVs beschäftigt, landet schnell beim BlueROV2 von Blue Robotics. Er ist so etwas wie der Standard in der Szene: offen, gut dokumentiert und mit einer sehr aktiven englischsprachigen Community.

BlueROV2 mit offenem schwarzem Rahmen, zwei weißen Auftriebskörpern, Kameraröhre und gelbem Kabel schwebt über einem Korallenriff
Der BlueROV2 im Einsatz: offener Rahmen, Druckröhren für Elektronik und Akku, Thruster und das gelbe Kabel (Tether) zur Oberfläche · Foto: Yoleeth, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Laut Hersteller kostet der BlueROV2 ab 4.900 USD (umgerechnet ca. 4.400 €). Er kommt teilmontiert, die Montage soll 6 bis 8 Stunden dauern. Das ist also eher „Bausatz zusammenschrauben“ als echter Eigenbau.

Im Grundpaket stecken laut Produktseite unter anderem Rahmen, Elektronik- und Akkugehäuse, sechs T200-Thruster, Tiefensensor, Kamera mit Neigemechanik, Werkzeug inklusive Vakuumpumpe sowie die Oberflächenbox Fathom-X Tether Interface (FXTI). Die Kamera liefert laut Hersteller 1080p bei 30 fps und arbeitet bis 0,01 Lux. Je nach Gehäuse (Acryl oder Aluminium) gibt Blue Robotics 100 m bzw. 300 m Tauchtiefe an.

BlueROV2 mit blauen Auftriebskörpern und Lampen steht auf einem Holzsteg, davor eine Handheld-Spielkonsole als Steuergerät
Rahmen, Thruster, Lampen und Elektronikröhre aus der Nähe; gesteuert wird hier mit einer Handheld-Konsole statt Gamepad und Laptop · Foto: Yoleeth, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nicht enthalten sind laut Hersteller:

  • das Kabel (Tether), z. B. 25 m für 250 USD (umgerechnet ca. 225 €) bis 100 m für 490 USD (umgerechnet ca. 440 €)
  • der Akku (14,8 V Lithium-Ionen; laut Hersteller nicht in alle Länder versendbar)
  • das Ladegerät
  • ein Gamepad
  • ein Laptop

Mit 100 m Kabel, Akku und Ladegerät landest du nach unserer Schätzung bei über 5.500 USD. Die Preise für Akku und Ladegerät haben wir nicht einzeln recherchiert, das ist also ein grober Richtwert. Ältere Artikel nennen noch rund 3.000 USD. Diese Zahlen sind veraltet, der Preis ist deutlich gestiegen.

Gute Nachricht für Käufer aus dem DACH-Raum: Blue Robotics listet mit der Underwater International GmbH in Bremen einen deutschen Händler. Für Österreich und die Schweiz ist kein eigener Händler gelistet.

Warum der Nachbau aus Einzelteilen kaum Geld spart

Naheliegende Idee: Statt den Bausatz zu kaufen, holst du dir nur die Einzelteile und baust Gehäuse und Rahmen selbst. Rechnen wir das einmal mit den Preisen von Blue Robotics durch, für eine absolute Minimalversion mit nur vier Antrieben:

Blick von oben in einen weißen Kunststoffrahmen eines Selbstbau-ROVs mit eingebautem Propeller und Motorkabeln
Antriebe sind der teuerste Posten: ein senkrecht eingebauter Thruster mit bürstenlosem Motor in einem OpenROV-Rahmen · Foto: Lamiot, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
BauteilPreis laut Hersteller
4 × T200-Thruster (je ab 230 USD) + 4 × Basic ESC (je 40 USD)1.080 USD
Navigator-Steuerplatineab 220 USD
Low-Light-HD-USB-Kamera120 USD
25 m Kabel250 USD
FXTI-Oberflächenbox245 USD
Summeca. 1.915 USD (umgerechnet ca. 1.720 €)

Und da fehlen noch Gehäuse, Kabeldurchführungen (Penetratoren), Rahmen, Akku, Ladegerät, Raspberry Pi, Tiefensensor, Gamepad sowie Zoll und Steuer.

Dazu passt eine Erfahrung aus dem Blue-Robotics-Forum: Ein Praktikant von Blue Robotics kam beim Nachbau des BlueROV2 aus Einzelteilen auf rund 50 % mehr als den Bausatzpreis, nur für Material und ohne Arbeitszeit. Der Bausatz ist also nicht die teure Variante, sondern eher die günstige.

Unter 2.000 €: Hybrid-Builds für Fortgeschrittene

Wenn ein reiner Blue-Robotics-Teile-Build schon ohne Gehäuse fast an die Grenze stößt, bleibt nur der Mix aus Markenteilen und günstigen Fremdkomponenten.

Halb über, halb unter Wasser fotografiert: ein selbst gebautes Schüler-ROV im großen Becken, darüber Zelte und Zuschauer am Beckenrand
So sehen Eigenbauten im Wettbewerb aus: ein Schüler-ROV bei der MATE International ROV Competition 2014 · Foto: Tane Casserley/NOAA, gemeinfrei (US-Bundesbehörde), via Wikimedia Commons

Ein spannendes Beispiel ist das Konzept „Mini BlueROV2“ aus dem Blue-Robotics-Forum (April 2026). Der Ersteller plant laut seinem Beitrag acht kleine M060-Thruster (je ca. 30 USD), zwei 4-in-1-Regler (je ca. 50 USD), einen Flugcontroller (ca. 80 USD), ein normales Ethernet-Kabel statt des teuren Fathom-Tethers, ArduSub und BlueOS sowie einen 3D-gedruckten Rahmen. Ziel sind 100 m Tiefe.

Der Haken: Das Projekt steckt noch in der Designphase, es gibt CAD-Entwürfe, aber keinen fertigen Bauplan und keine Gesamtsumme. Nach unserer Recherche gibt es in dieser Preisklasse keinen fertigen, lieferbaren Bausatz mit Kamera und ArduSub.

Für so ein Projekt brauchst du außerdem einiges an Können: 3D-Druck, Löten, Abdichten, Akkubau und die Einrichtung von ArduSub. Für reine Einsteiger geht das nur mit viel Lernbereitschaft und Geduld.

Unter 1.000 €: Lern-Bausätze und Baumarkt-Projekte

Unter 1.000 € findest du nur Lern- und Bastelprojekte, aber keine echte Kamera-Drohne. Auch im Blue-Robotics-Forum heißt es, ein ROV unter 1.000 USD sei sehr schwierig, weil Thruster und Kabel teuer sind. Wer in diesem Budget filmen will, ist mit einer fertigen Drohne besser bedient – mehr dazu im Ratgeber Unterwasserdrohne unter 1.000 Euro.

SeaPerch ROV Kit: Der Bausatz von RoboNation (entwickelt mit MIT Sea Grant) kostet laut Shop 199 USD (umgerechnet ca. 180 €). Er ist für Schulen und Bildung gedacht: PVC-Rahmen, 12-V-Motoren, Schalterbox, Cat-5-Kabel. Eine Kamera gehört laut Produktbeschreibung nicht dazu, Angaben zu Tiefe, Kabellänge und Versand nach Europa haben wir im Shop nicht gefunden. Laut Arduino-Blog ist mit SeaPerch II eine Version mit Arduino-Modulen in Entwicklung (Stand 2025).

Ein SeaPerch-ROV aus weißen PVC-Rohren mit roten und gelben Schwimmern im Schwimmbecken, eine Person steuert es vom Beckenrand mit einer kleinen Schalterbox
Ein SeaPerch-Bausatz im Becken: PVC-Rahmen, kleine Motoren und eine Schalterbox am Kabel, ganz ohne Kamera · Foto: Rick Naystatt/U.S. Navy, gemeinfrei (US-Bundesbehörde), via Wikimedia Commons

BlueSub-1: Ein Community-Projekt aus dem Blue-Robotics-Forum (2022) mit Teilen aus dem US-Baumarkt. Laut Ersteller hat es rund 600 USD (umgerechnet ca. 540 €) gekostet. Als Motoren dienen umgebaute Bilgepumpen, das Gehäuse ist aus PVC-Rohr, gesteuert wird mit Arduino und Drehreglern, ohne ArduSub. Angepeilt waren etwa 15 m Tiefe im Süßwasser. Eine Kamera ist nicht beschrieben, und eine nachbaufertige Anleitung gibt es nicht.

Eine Kamera lässt sich zwar nachrüsten (die Low-Light-USB-Kamera von Blue Robotics kostet 120 USD). Der eigentliche Aufwand steckt aber in der Abdichtung und der Videoübertragung nach oben.

Kurzer Blick zurück: Was wurde aus OpenROV?

Wer ältere Bauberichte liest, stößt oft auf OpenROV. Das Open-Source-Projekt war einer der Pioniere, der Bausatz v2.5 kostete laut Pressebericht damals 850 USD. Heute ist OpenROV nicht mehr erhältlich: Die letzte Version 2.8 stammt von 2017, 2019 ging das Projekt in Sofar Ocean auf, die Foren sind archiviert. Die Elektronik-Dateien liegen noch auf GitHub, als Inspiration taugt das Projekt also weiterhin.

Halb montiertes OpenROV auf einer Werkbank: weißer Kunststoffrahmen, offene Acrylröhre mit Platinen und bunten Kabeln, daneben Werkzeug
Ein OpenROV im Bau: Rahmen auf der Werkbank, die Elektronik liegt neben der offenen Acrylröhre · Foto: G. Mannaerts, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Elektronikträger eines OpenROV mit Kamera, LEDs und Platinen zwischen zwei Acrylringen, bereit für den Einbau in die Druckröhre
Kamera, LEDs und Platinen eines OpenROV vor dem Einbau in die wasserdichte Röhre · Foto: Lamiot, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten), via Wikimedia Commons

Alle Projekte im Überblick

ProjektTypPreis laut Quelleumgerechnet ca.KameraSteuerungKönnenUnsere Einordnung
SeaPerch ROV KitLern-Bausatz199 USD180 €neinSchalterboxniedrig bis mittelgut zum Lernen, keine Kamera-Drohne
BlueSub-1Community-Build (2022)ca. 600 USD gesamt540 €keine AngabeArduino, kein ArduSubmittelBastelprojekt ohne fertige Anleitung
„Mini BlueROV2“Community-Konzept (2026)keine Gesamtsumme–geplantArduSub + BlueOShochspannend, aber noch Designphase
Teile-Build aus Blue-Robotics-KomponentenEigenbauab ca. 1.915 USD (ohne Gehäuse, Akku u. a.)1.720 € + RestjaArduSub + BlueOShochspart gegenüber Bausatz kaum etwas
BlueROV2Bausatz, teilmontiertab 4.900 USD (ohne Kabel, Akku, Ladegerät, Gamepad)4.400 €ja, 1080pArduSub + BlueOS + Cockpitmittel (6–8 h Montage)die Referenz, gut dokumentiert, aber teuer
OpenROV 2.xOpen-Source-Bausatzdamals 850 USD–jaeigene Softwarehochnicht mehr erhältlich

Alle Preise ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Euro-Werte umgerechnet ca. mit 1 USD ≈ 0,90 €, ohne Zoll und Steuer.

Versteckte Kosten, an die du denken solltest

  • Kabel: Beim BlueROV2 nicht dabei und je nach Länge ein echter Kostenfaktor.
  • Akku und Versand: Laut Blue Robotics dürfen Akkus nicht in alle Länder verschickt werden. Plane einen Akku aus lokaler Quelle ein. Wie du ihn lange fit hältst, steht im Ratgeber Akkupflege.
  • Ladegerät, Gamepad, Laptop: fehlen im Grundpaket.
  • Zoll und Steuer: Bei Bestellung aus den USA kommen in Österreich 20 % und in Deutschland 19 % Einfuhrumsatzsteuer dazu, in der Schweiz die MWST, je nach Ware zusätzlich Zoll.
  • Werkzeug und Zeit: Lötstation, eventuell 3D-Drucker und viele Abende.

Ein Wort zur Sicherheit: Lithium-Akkus, Strom und Wasser vertragen sich nur bei sauberer Arbeit. Welche Regeln für Drohnen in Seen und Flüssen in AT, DE und CH gelten, schauen wir uns in einem eigenen Artikel an.

Für wen lohnt sich was?

  • Du willst verstehen, wie ein ROV funktioniert, oder suchst ein Projekt mit Kindern oder der Schule? Ein Lern-Bausatz wie SeaPerch ist ein guter Einstieg. Erwarte aber keine Filmaufnahmen.
  • Du bastelst gern, kannst löten und hast einen 3D-Drucker? Dann ist ein Hybrid-Build wie das „Mini BlueROV2“ spannend. Plane viel Zeit und ein offenes Budget ein, einen fertigen Bauplan gibt es noch nicht.
  • Du willst eine offene, erweiterbare Drohne für ernsthafte Projekte? Dann ist der BlueROV2 die Referenz. Rechne mit über 5.000 USD inklusive Zubehör.
  • Du willst einfach abtauchen und filmen? Dann ist eine fertige Unterwasserdrohne fast immer die bessere und günstigere Wahl. Einen Überblick findest du in unserer Bestenliste der Unterwasserdrohnen.

Fazit

Selbst bauen ist ein tolles Hobby für alle, die tüfteln, lernen und ihre Drohne bis zur letzten Schraube verstehen wollen. Zum Sparen taugt es nicht: Unter 1.000 € gibt es nur Lernprojekte ohne echte Kamera, unter 2.000 € keinen fertigen Bausatz mit Kamera und ArduSub, und der Nachbau aus Einzelteilen kostet am Ende meist mehr als der BlueROV2-Bausatz.

Auffällig ist auch: Deutschsprachige Bauberichte gibt es kaum. Die aktive Szene trifft sich fast nur im englischsprachigen Blue-Robotics-Forum.

Du baust selbst?

Zeig deinen Baubericht im Forum der Unterwasserpiloten! Egal ob PVC-Rohr-Projekt, SeaPerch mit Kamera-Upgrade oder BlueROV2-Montage: Wir freuen uns auf deine Fotos, Fragen und Erfahrungen.

Reaktionen und Kommentare zu diesem Artikel findest du im Forum der Unterwasserpiloten.

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